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WS 9: Schematherapie bei Viktimisierungserfahrungen - Wege aus der Opferrolle

Dr. Dipl.-Psych. Eva Dresbach, Bonn
Informationen zur Dozentin

Vertiefungsworkshop Schematherapie Kinder, Jugendliche und Jungerwachsene

Viktimisierung durch Gleichaltrige stellt eine deutliche emotionale Belastung mit langfristigen Folgen für die seelische Gesundheit betroffener Kinder und Jugendlicher (McDougall & Vaillancourt, 2015) dar. Im Zentrum störungsspezifischer oder problemorientierter Behandlungsansätze bei Gleichaltrigenproblemen (Abel & Hautzinger, 2013; Joormann & Unnewehr, 2002; Spröber et al, 2008; Walter et al, 2007) steht neben kognitiven Interventionen das Training sozialer Fertigkeiten.

Gleichaltrigenprobleme und Viktimisierungserfahrungen können aus schematherapeutischer Sicht als Frustration emotionaler Bedürfnisse nach Anerkennung und Zugehörigkeit zur Peer-Group betrachtet werden, welche die Entstehung dysfunktionaler Schemata wie Unzulänglichkeit/Scham, Isolation, Unterordnung/Unterwerfung, Streben nach Zustimmung begünstigt (Calvete, 2014).

Im Workshop wird die Anwendung schematherapeutischer Interventionen mit Kindern und Jugendlichen (Loose et al, 2013) auf Viktimisierung im Jugendalter vorgestellt. Zentrale Ziele sind dabei, die Entstehung und Aufrechterhaltung der Viktimisierung zu erklären, die emotionalen Bedürfnisse des Jugendlichen zu validieren und seinen kompetenten Modus zu stärken.

Mit Hilfe des Modus-Modells wird die Einnahme und Aufrechterhaltung einer Opfer-Position in der Peer-Group erklärt. Dabei werden Zusammenhänge zwischen Beziehungserfahrungen in der Familie und mit Gleichaltrigen betrachtet. Die aktivierenden Techniken der Modusarbeit mit Stühlen und das imaginative Überschreiben werden mit Elementen des sozialen Fertigkeitentrainings verknüpft. Rahmenbedingungen der Interventionen bei Viktimisierung werden erörtert. Modus-Modelle zu Fällen der Teilnehmer werden in einer Übung erarbeitet. Die Anwendung der Methoden wird durch Demonstration und praktische Übung vertieft.

Literatur:
Abel, U. & Hautzinger, P. (2013). Kognitive Verhaltenstherapie bei Depression im Kindes- und Jugendalter. Berlin: Springer.
Calvete. Emotional abuse as a predictor of early maladaptive schemas in adolescents: Contributions to the development of depressive and social anxiety symptoms. Child Abuse & Neglect (2014) 38, 735-746.
Joormann, J. & Unnewehr, S. (2002). Behandlung der sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm. Göttingen: Hogrefe.
Loose, C., Graaf, P. & Zarbock, G. (2013). Schematherapie mit Kindern und Jugendlichen. Weinheim: Beltz.
McDougall, P. & Vaillancourt, T., Long-Term Outcomes of Peer Victimization in Childhood and Adolescence. American Psychologist (2015) 70, 4, 300-310.
Spröber, N., Schlottke, P. & Hautzinger, M. (2008). Bullying in der Schule: Das Präventions- und Interventionsprogramm ProACT + E. Weinheim: Beltz.
Walter, D., Rademacher, C., Schürmann, S. & Döpfner, M. (2007). Grundlagen der Selbstmanagement- Therapie bei Jugendlichen. SELBST . Therapieprogramm für Jugendliche mit Selbstwert-, Leistungs- und Beziehungsstörungen. Göttingen: Hogrefe.